26.05.2015

Gips ist nicht gleich Gips – warum?

Schaut man sich im Südharz die genehmigten Flächen zum Abbau von Naturgips an, so könnte man denken: „Warum will die Gipsindustrie noch weitere Flächen genehmigt bekommen? Die Unternehmen haben doch schon so viele Flächen, auf denen sie Gips abbauen dürfen. Reichen die nicht?“

Die einfache Antwort darauf ist: „Nein.“ Und die Begründung dafür: „Gips ist nicht gleich Gips.“

Denn: Wer sich etwas länger mit dem Thema Naturgips beschäftigt, stößt schon bald auf die Begriffe Dihydrat und Anhydrit. Beides sind natürliche Gipsarten – und doch unterscheiden sie sich fundamental.

Das so genannte Dihydrat (CaSO4 – 2 H2O), der eigentliche Gips, entsteht ähnlich wie Salz durch das Verdunsten von Wasser in einem abgeschnürten Meeresbecken oder Binnensee. Durch die zunehmende Überdeckung durch andere Gesteine wandelte sich dann der Gips (das Dihydrat) durch Entwässerung in das sog. Anhydrit (CaSO4) um.

Dihydrat und Anhydrit haben aufgrund des unterschiedlichen Wassergehalts sehr unterschiedliche Eigenschaften, die sich wiederum stark auf ihre industrielle Verwendbarkeit auswirken.

So ist das „wertvolle“ Dihydrat vielfach verwendbar. Unter anderem wird es in vielen verschiedenen Formen als Baustoff eingesetzt, wie z.B. für hochwertige Gipsplatten und Gipsputze. Da Gips bei relativ geringem Gewicht einen großen Feuerwiderstand bietet, wird Gips u.a. bevorzugt im baulichen Brandschutz verwendet. Den Schutz bewirkt das Kristallwasser des Dihydrats, das im Brandfall verdampft und auf der dem Brand zugewandten Seite einen schützenden Dampfschleier bildet.

Aber auch in der bildenden Kunst wird Gips gern und häufig genutzt, wie z.B. bei der Erstellung von Skulpturen sowie für Formen und Modelle. Solche vielfältigen Formen bzw. Modelle kommen unter anderem zum Brennen von Keramik (Geschirr) sowie beim Metallguss zur Anwendung.

Da Gips den gleichen pH-Wert und die gleiche Wärmeleitfähigkeit wie die menschliche Haut besitzt, bildet Gips zudem das ideale Material für ruhigstellende Verbände, z.B. bei Knochenbrüchen, oder für Dentalgipse bei der Anfertigung von Zahnmodellen. Hierfür sind jedoch besonders hohe Reinheitsgrade des Gipses notwendig, ähnlich wie beim Einsatz von Gips in der Landwirtschaft oder bei Lebensmitteln. So wird Gips u.a. zur Regulierung der Wasserhärte oder zur Vermeidung der Oxalattrübung beim Bierbrauen eingesetzt.

Während also das sogenannte Dihydrat, je nach Reinheitsgrad, sehr vielseitig verwendbar ist, kann Anhydrit nur sehr eingeschränkt verwendet werden, wie z.B. zur Herstellung von Anhydrit-Estrich und als Füllstoff für die Zementherstellung, die Bauchemie oder die Düngemittelindustrie.

Und was bedeutet das alles nun für den Gipsabbau im Südharz? Die Gipslagerstätten im Südharz sind zumeist Anhydrit-Vorkommen – die Dihydrat-Vorkommen sind hingegen sehr begrenzt, zumal mit einem hohen Reinheitsgrad (siehe hierzu Frage C.1. im Abschnitt „Fragen & Antworten“). Damit sind die bisher genehmigten Abbauflächen nur eingeschränkt für die Gipsproduktion der im Südharz tätigen Unternehmen (CASEA, Knauf, Saint-Gobain Formula) nutzbar. Die wenigen hochreinen Dihydrat-Lager befinden sich am Rüsselsee sowie in Woffleben (Abbau durch CASEA) sowie am Alten Stolberg (Abbau durch Knauf). Die Vorkommen am Rüsselsee sind aber in etwa sieben Jahren verbraucht. Deshalb muss sich CASEA im Sinne einer vorausschauenden betriebswirtschaftlichen Planung und in Verantwortung um die Rohstoffversorgung in Deutschland bereits jetzt Gedanken um mögliche weitere Abbauflächen machen, da die Firma vornehmlich Spezialgipse herstellt, die einen Dihydrat-Reinheitsgrad von mehr als 85 Prozent benötigen.

Hinzu kommt: Viele der dargestellten Verwendungsformen von Naturgips, insbesondere in der Lebensmittelindustrie, der Medizin oder der Landwirtschaft können weder durch REA-Gips noch durch Recycling-Gips ersetzt werden.

20.04.2015

Deutscher Rohstoffimperialismus

Auf den zweiten Blick ist oft nichts mehr so, wie es auf den ersten Blick scheint. So auch bei den Plänen des SPD-Bundesenergieministers Gabriel, CO2 in Deutschland dadurch einzusparen, dass er Braunkohlekraftwerke zur Schließung zwingt.

Denn der Strom, der daraus zur sicheren Versorgung von Industrie und Verbrauchern gewonnen wird, ist unverändert nötig. Er wird dann, da die heimischen Windräder nicht genug hergeben, aus dem europäischen Stromnetz gewonnen – aus Kohlekraftwerken in Polen und Tschechien oder aus Kernkraftwerken in Frankreich.

Das ist eine Politik nach dem Motto: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß!“. Man könnte es auch boshafter formulieren: Es handelt sich um Rohstoffimperialismus. Weil wir es uns leisten können, verzichten wir auf die heimische Rohstoffnutzung und kaufen uns die Rohstoffe anderswo, und zwar ausgerechnet auch noch dort, wo die Umweltvorschriften für die Rohstoffgewinnung weitaus weniger streng sind als hierzulande. Zu diesem Zweck schließen wir, mit prall gefülltem Geldbeutel der reichsten Volkswirtschaft Europas, Rohstoffabkommen mit jenen Ländern, die auf den Verkauf ihrer Rohstoffe angewiesen sind.

Das machen wir so bei der Kohle, auf deren Förderung wir keine Lust mehr haben und die nun, beispielsweise, aus der Mongolei kommt. Das machen wir so beim Gas, das wir aus Russland und Norwegen kaufen, weil wir uns mit dem Fracking nicht rational auseinandersetzen wollen. Das machen wir so beim Öl. Das machen wir bei der Kernkraft so, deren Strom wir künftig aus anderen europäischen Ländern, Frankreich zuvörderst, importieren. Die Liste ließe sich fortsetzen. Und auch beim Gips wollen es die Politiker offenbar so machen.

Verantwortungsvolle Politik sieht anders aus. Das würde deutlich, wenn man die Umweltbilanz, die wir entlang deutscher Grenzen abstecken, einmal ausweiten würde auf unsere Lieferländer. Mancher deutsche Politiker hätte dann kein ökologisch reines Gewissen mehr könnte dann wohl mehr so gut schlafen wie gegenwärtig.

27.03.2015

Ein Schritt der Vernunft

Der Beschluss des Kreistages vom 24. März 2015, die Landkreisverwaltung mit der Einrichtung eines Runden Tisches „Südharzer Zechsteingürtel“ zu beauftragen, ist ein Schritt der Vernunft. CDU und Linke sind ihn im Schulterschluss gegangen, ein Ausweis verantwortungsvoller Politik. Die erkennt man ja nicht daran, dass sie Emotionen schürt, sondern dass sie Befürchtungen und Fakten nebeneinander legt und schließlich rationale Entscheidungen trifft. Themen gibt es für diesen Runden Tisch genug: Natürlich sind dort Fragen umweltschonenden Abbaus und der Renaturierung wichtig, aber eben auch die Sorgen Arbeitnehmer, die von der Gipsindustrie im Südharz abhängig sind und die Möglichkeiten der Unternehmen, weiterhin hier verantwortungsvoll Gipsabbau betreiben zu können.

Erstaunlich ist, dass die SPD sich einer solchen Politik der Vernunft nicht anschließt. Wem die stolze Vergangenheit der SPD als Arbeitnehmerpartei bekannt ist, den muss es wundern, dass die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Becker sich über Arbeitnehmerinteressen so leicht hinwegsetzt.  Wer ständig über Arbeitsplatzgefährdungen rede, der solle endlich Zahlen offenlegen, sagt Frau Becker. Die könnte sie längst kennen, sie finden sich ausführlich auf dieser website (siehe Fragen und Antworten). Kurzfassung: Etwa eintausend Arbeitsplätze sind von der Gipsindustrie abhängig, das ist eine jährliche Lohnsumme von 35 Millionen Euro. Hinzu kommen viele Millionen jährlicher Investitionen. Und aus diesen Löhnen und Investitionen resultieren Steuereinnahmen der Gebietskörperschaften im zweistelligen Millionenbereich. Ist das alles nichts für die SPD?

Ein runder Tisch, sagen die Gegner wie Frau Becker, mache keinen Sinn, denn es sei zur Sache 2013 alles beschlossen. Und das Unternehmen Casea rufe doch nur „nach neuen Zugeständnissen“. Zum einen: Zur Sache ist nicht alles beschlossen. Wenn dem Unternehmen Saint-Gobain Formula selbst jene Flächen vorenthalten werden, die es für naturaufbauende vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahmen braucht, dann ist das ein politisch organisierter Anschlag auf die Natur. Zum anderen: CASEA will keine „neuen Zugeständnisse“, sondern möchte, dass sich alle Beteiligten an den „Gipskompromiss“ von 1997 halten, der die Abbaurechte aus dem 42 Hektar großen Bergwerkseigentum der CASEA am Winkelberg auf 18 Hektar begrenzt hatte und den größeren Gebietsteil von 24 Hektar ins Naturschutzgebiet einbezog. (Mehr dazu: siehe „Fragen und Antworten“ auf dieser Webseite.) Pacta sunt servanda – das muss auch gelten, wenn Regierungen wechseln.