17.08.2015

Verlässliche Versprechen

Beim Ellricher Gips-Unternehmen CASEA GmbH weiß man, dass man sich mit dem Vorhaben, den Gipsabbau am Winkelberg wieder aufzunehmen, nicht nur Freunde macht. Umso ernster muss man die Absicht von CASEA nehmen, den Abbau möglichst naturschonend und umweltverträglich und ohne bedeutende Belastungen für die Anlieger zu gestalten. Darauf können sich Anwohner und Politiker verlassen.

In den letzten Jahrzehnten ist das Unternehmen, das am Winkelberg das notwendige Bergwerkseigentum besitzt, dem Umweltgedanken schon weit entgegengekommen, als es die vorgesehene Abbaufläche von 42 auf 18 Hektar reduzierte und den Rest in den Naturschutz gab. Das war ein Kompromiss mit dem Land Thüringen, der bis heute gilt.

Andere Flächen stehen nicht (mehr) zur Verfügung. Die Erweiterung Rüsselsee wäre vom Vorkommen an reinem Gips möglich, aber rechtliche, faktische und politische Hindernisse machen ein solches Vorhaben unrealistisch, schon angesichts der Sperrgrundstücke, die dort etwa vom BUND angekauft wurden.

Zu den Gegenargumenten gehört der Vorschlag, den Gipsbedarf doch aus anderen Ländern Europas zu decken. Genau diesen Rohstoff-Kolonialismus will der deutsche Gesetzgeber aber zu Recht verhindern und schreibt deshalb die Rohstoffgewinnung im eigenen Lande vor.  Dass er naturschonend sein muss, versteht sich von selbst.

Ein anderes Argument hat man dem Betriebsrat geschrieben, das frank und frei lautet: Dann muss das Werk in Ellrich eben schließen. Das geht darüber hinweg, dass das Spezialgipswerk in Ellrich von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Region ist.

60 Arbeitnehmer arbeiten direkt bei CASEA in Ellrich, das Werk sichert darüber hinaus mindestens weitere 120 Arbeitsplätze in der Region. Zur dadurch erzeugten jährlichen Lohnsumme von mehr als sechs Millionen Euro kommen zahlreiche direkte und indirekte Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe sowie Steuerzahlungen hinzu. Insgesamt sind im Bereich des thüringischen Südharzes gegenwärtig weit mehr als 1000 Arbeitnehmer vom Gipsabbau abhängig.

Das ist eine eher vorsichtige Schätzung – die wahre wirtschaftliche Bedeutung des Gipsabbaus im thüringischen Südharz wird eine unabhängige Untersuchung ergeben, die gegenwärtig vom renommierten Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin erstellt wird.

Und immer gilt: Gipsgewinnungsgebiete, die ausgeschöpft sind, werden renaturiert und ohne Schäden etwa im Grundwasser oder durch Chemikalien an die Natur zurückgegeben. Das kann nicht jeder Rohstoffabbau von sich sagen.

24.06.2015

Angst um Arbeitsplätze

Wenn Arbeitnehmer Angst um ihre Arbeitsplätze haben, wenden Sie sich an die Politik. Das war schon immer so in der deutschen Industriegeschichte, und es handelt sich um ein völlig legitimes Mittel. Nicht immer kann die Politik helfen, weil die zugrundeliegenden Veränderungen nicht in ihrer Macht stehen. Im Falle des Gipsabbaus in Thüringen ist das anders: hier bestimmt alleine die Politik, was geht und was nicht.

So auch im Falle der CASEA in Ellrich, deren Betriebsrat sich jetzt an die Öffentlichkeit gewendet hat (siehe Artikel dazu). Die gegenwärtig im Abbau befindlichen Lagerstätten, die dem Werk in Ellrich die Existenz sichern, werden in wenigen Jahren erschöpft sein. Deshalb steht an, den Abbau am Winkelberg wieder aufzunehmen auf einem Gebiet, das – in einem „Gipskompromiss“ mit dem Land Thüringen im Jahre 1997 – dafür festgelegt wurde. Es handelt sich um 18 Hektar aus einem gesamten CASEA-Bergwerkseigentum von 42 Hektar, die restlichen 24 Hektar wurden vereinbarungsgemäß unter Naturschutz gestellt.

Dass der Kompromiss verlässlich sein muss, ist nur ein Argument dafür, dass seitens der Politik dieser Abbau nun auch möglich gemacht werden sollte. Wesentlicher ist, dass ein Gipsabbaufeld stets zwar umgestaltet, aber ohne irgendeinen Schaden an die Natur zurückgegeben wird und daraus stets Biotope mit vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten entstehen. Auch Menschen nehmen – wenn der Abbau gut und nach allen Regeln der Emissions- und Immissionsvermeidungs-Kunst geplant wird – keinerlei Schaden.

Gips zählt zu den notwendigen Rohstoffen eines Landes. Auch das muss man mit bedenken. Thüringen hat davon qualitativ reichlich, und die wenigen Abbaufelder sind ein winziger Bruchteil der großartigen Natur Thüringens – und renaturiert sind sie am Ende eher ein Nutzen für die Natur als ein Schaden. Das alles sollten Politiker bedenken und nicht immer sofort denen folgen, die den lautesten Lärm veranstalten. Auch hinter solchem Protest stecken oft versteckte Interessen.

26.05.2015

Gips ist nicht gleich Gips – warum?

Schaut man sich im Südharz die genehmigten Flächen zum Abbau von Naturgips an, so könnte man denken: „Warum will die Gipsindustrie noch weitere Flächen genehmigt bekommen? Die Unternehmen haben doch schon so viele Flächen, auf denen sie Gips abbauen dürfen. Reichen die nicht?“

Die einfache Antwort darauf ist: „Nein.“ Und die Begründung dafür: „Gips ist nicht gleich Gips.“

Denn: Wer sich etwas länger mit dem Thema Naturgips beschäftigt, stößt schon bald auf die Begriffe Dihydrat und Anhydrit. Beides sind natürliche Gipsarten – und doch unterscheiden sie sich fundamental.

Das so genannte Dihydrat (CaSO4 – 2 H2O), der eigentliche Gips, entsteht ähnlich wie Salz durch das Verdunsten von Wasser in einem abgeschnürten Meeresbecken oder Binnensee. Durch die zunehmende Überdeckung durch andere Gesteine wandelte sich dann der Gips (das Dihydrat) durch Entwässerung in das sog. Anhydrit (CaSO4) um.

Dihydrat und Anhydrit haben aufgrund des unterschiedlichen Wassergehalts sehr unterschiedliche Eigenschaften, die sich wiederum stark auf ihre industrielle Verwendbarkeit auswirken.

So ist das „wertvolle“ Dihydrat vielfach verwendbar. Unter anderem wird es in vielen verschiedenen Formen als Baustoff eingesetzt, wie z.B. für hochwertige Gipsplatten und Gipsputze. Da Gips bei relativ geringem Gewicht einen großen Feuerwiderstand bietet, wird Gips u.a. bevorzugt im baulichen Brandschutz verwendet. Den Schutz bewirkt das Kristallwasser des Dihydrats, das im Brandfall verdampft und auf der dem Brand zugewandten Seite einen schützenden Dampfschleier bildet.

Aber auch in der bildenden Kunst wird Gips gern und häufig genutzt, wie z.B. bei der Erstellung von Skulpturen sowie für Formen und Modelle. Solche vielfältigen Formen bzw. Modelle kommen unter anderem zum Brennen von Keramik (Geschirr) sowie beim Metallguss zur Anwendung.

Da Gips den gleichen pH-Wert und die gleiche Wärmeleitfähigkeit wie die menschliche Haut besitzt, bildet Gips zudem das ideale Material für ruhigstellende Verbände, z.B. bei Knochenbrüchen, oder für Dentalgipse bei der Anfertigung von Zahnmodellen. Hierfür sind jedoch besonders hohe Reinheitsgrade des Gipses notwendig, ähnlich wie beim Einsatz von Gips in der Landwirtschaft oder bei Lebensmitteln. So wird Gips u.a. zur Regulierung der Wasserhärte oder zur Vermeidung der Oxalattrübung beim Bierbrauen eingesetzt.

Während also das sogenannte Dihydrat, je nach Reinheitsgrad, sehr vielseitig verwendbar ist, kann Anhydrit nur sehr eingeschränkt verwendet werden, wie z.B. zur Herstellung von Anhydrit-Estrich und als Füllstoff für die Zementherstellung, die Bauchemie oder die Düngemittelindustrie.

Und was bedeutet das alles nun für den Gipsabbau im Südharz? Die Gipslagerstätten im Südharz sind zumeist Anhydrit-Vorkommen – die Dihydrat-Vorkommen sind hingegen sehr begrenzt, zumal mit einem hohen Reinheitsgrad (siehe hierzu Frage C.1. im Abschnitt „Fragen & Antworten“). Damit sind die bisher genehmigten Abbauflächen nur eingeschränkt für die Gipsproduktion der im Südharz tätigen Unternehmen (CASEA, Knauf, Saint-Gobain Formula) nutzbar. Die wenigen hochreinen Dihydrat-Lager befinden sich am Rüsselsee sowie in Woffleben (Abbau durch CASEA) sowie am Alten Stolberg (Abbau durch Knauf). Die Vorkommen am Rüsselsee sind aber in etwa sieben Jahren verbraucht. Deshalb muss sich CASEA im Sinne einer vorausschauenden betriebswirtschaftlichen Planung und in Verantwortung um die Rohstoffversorgung in Deutschland bereits jetzt Gedanken um mögliche weitere Abbauflächen machen, da die Firma vornehmlich Spezialgipse herstellt, die einen Dihydrat-Reinheitsgrad von mehr als 85 Prozent benötigen.

Hinzu kommt: Viele der dargestellten Verwendungsformen von Naturgips, insbesondere in der Lebensmittelindustrie, der Medizin oder der Landwirtschaft können weder durch REA-Gips noch durch Recycling-Gips ersetzt werden.